Wohnungsbau gemeinsam voranbringen

Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen besucht BHB-Projekte

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Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen besucht BHB-Projekte

Die zunehmende Wohnungsnot stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen vor große Herausforderungen. Bundesweit fehlen bereits 1,4 Millionen Wohnungen, besonders in Ballungsräumen wie München. Diese Aufgabe kann nur im partnerschaftlichen Dialog gelöst werden – im offenen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Aus diesem Selbstverständnis heraus pflegen wir bei der BHB den Austausch mit Vertreter:innen aller demokratischen Parteien. In diesem Rahmen fand am Freitag, den 23. Januar 2026 eine halbtägige Exkursion der Grünen Landtagsfraktion Bayern statt. Rund 50 Teilnehmende, darunter Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze, die baupolitische Sprecherin Ursula sowa, der wohnungspolitische Sprecher Jürgen Mistol sowie Vertreter:innen von BR und SAT1Bayern begleiteten uns zu zwei BHB-Projekten.

Station 1: DASKLEINOD – Wohnraum für Jung und Alt in der Tradition eines Gutshofes
Beim Projekt DASKLEINOD in München-Riem steht das generationsübergreifende Wohnen im Mittelpunkt. Ziel ist es, Lebensräume zu schaffen, in denen Jung und Alt miteinander wohnen, voneinander lernen und gemeinsam den Alltag gestalten.

DASKLEINOD kombiniert Hybridbauweise, CO₂-neutrale Ziegel, regionales Holz und den KfW-40-EE-Standard mit gemeinschaftlichen Freiräumen, Permakultur-Gärten und hoher Aufenthaltsqualität. Zentrale Begegnungsorte wie der Dorfplatz, der Hofbaum, Gemeinschaftsgärten, Urban-Farming-Flächen und ein Fahrrad-Hub fördern das Miteinander und die Identität der Bewohner:innen.

„Unter dem Motto ‚Form follows emotion‘ streben wir bei jedem Projekt eine Planung an, die die geschichte des Ortes weitererzählt und auf diese Weise Biodiversität, Gemeinwohl und individuelles Wohlbefinden miteinander vereint – um echte Lebensqualität und ein Heimatgefühl für die Bewohner aber auch einen Mehrwert für die Umgebung zu schaffen. So auch beim Kleinod.”

Unsere Architektin Kerstin Hartig von @PSProjektschmiede erläuterte, wie der Entwurf die Ziele des Konzepts gestalterisch umsetzt – zum Beispiel durch die Schaffung eines Dorfplatzes, der auch als Treffpunkt für Urban-Gardening dient, das wie bereits beim BeFree von Tanja Lovetinsky betreut wird.

Dialog unterwegs: Praxis trifft Politik
Während der gemeinsamen Busfahrt nutzte Melanie Hammer den Austausch, um zentrale Herausforderungen aus der Baupraxis anzusprechen: überzogene DIN-Normen, hohe Stellplatzpflichten, aufwendige Brandschutzauflagen und fehlende Erleichterungen bei Nachverdichtung und Bestandssanierung, wenn zum Beispiel der Kran über Nachbargrundstücke schwenken muss.

„Wir brauchen einen Kulturwandel auf allen Ebenen, um die dringend notwendigen Wohnungen schneller und günstiger umsetzen zu können. Dazu gehört eine umfassende Entbürokratisierung und Verschlankung der Normen“, betonte Hammer.

Station 2: LOCI – Weiterbauen im Bestand in der Münchner Innenstadt

Ein Münchner Original weitergedacht: Das Ensemble des Altbestandes soll behutsam weiterentwickelt werden. Dazu ist eine energetische Sanierung des Bestandes und eine Aufstockung der Vorder-, Rück- und des Seitengebäudes in Leichtbauweise (Holz) geplant. Um den jetzigen tristen und versiegelten Innenhof mit Fokus auf das PKW Parken in einen grünen Wohninnenhof verwandeln zu können und Hand-in-Hand mit dem Innenstadtkonzept der Stadt München eine nachhaltige Form der Mobilität im Innenstadtbereich Münchens weiterzudenken, soll stattdessen auf andere Formen der Mobilität als den PKW gesetzt werden. Hierzu wird ein Fahrradhub in die Bebauung des Altbestandes integriert, der Innenhof zur Gemeinschaftlichen Nutzung geplant samt angrenzender Räumlichkeiten für Fahrradreparatur und weiteren Angeboten für die Gemeinschaft. Bei der Architektursprache sollen die historischen Einflüsse der Gründerzeit und des umgebenden Viertels wieder aufgegriffen und modern übersetzt werden.
Am Projekt LOCI in der Dachauer Straße wurde deutlich, welches Potenzial im innerstädtischen Bestand liegt. Geplant sind eine energetische Sanierung auf KfW-55-Standard sowie Aufstockungen von Vorder- und Rückgebäuden.

Das dritte Projekt wurde aus Zeitgründen nur in Worten, Bildern – und fühlbaren Moorbaustoffen vorgestellt: Das MOORITZ in Gauting – ein Pilotprojekt für Gebäudetyp E und nachwachsende Rohstoffe auf dem Weg zu klimapositiven Gebäuden.
Das MOORITZ in Gauting ist eines von nur 19 Pilotprojekten für den Gebäudetyp E in Bayern. Ziel ist es, durch serielle Holzhybrid-Bauweise und den Einsatz von Paludibaustoffen aus regionalen Landwirtschaft ressourcenschonenden und bedarfsgerechten Wohnraum zu schaffen. Derzeit verhindern jedoch fehlende Zertifizierungen den breiten Einsatz dieser klimafreundlichen Materialien – ein klassisches Henne-Ei-Problem, das politisches Handeln erfordert.

MOORITZ soll Praxiswissen liefern, wie Normen flexibilisiert, Planungsfreiheit erhöht und Kosten gesenkt werden können – und dient als Modell für künftigen, klimafreundlichen und bedarfsgerechten Wohnungsbau. In einem Impulsvortrag erläuterte Prof. Niklas Fanelsa von der TUM, wo die Hürden liegen, wenn biobasierte Baustoffe sowie regionale und zirkuläre Wertschöpfungsketten zum Einsatz kommen sollen: Kurz gesagt: Wir brauchen einfachere Verfahren und Förderprogramme bei der Zulassung, damit Unternehmen in die Produktion gehen. Im Gespräch mit den Grünen wurden auch Fördermodelle vergleichbar mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das die Solarkraft in Deutschland so erfolgreich vorangebracht hat.
Wohnen darf kein Luxusgut sein

Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmenden über die politischen Forderungen der Grünen Landtagsfraktion Bayern, wie den „Bayern-Bausparer“ und die Senkung der Grunderwerbsteuer für das erste Eigenheim. Melanie Hammer bekräftigte: „Wohneigentum bietet Sicherheit und ist eine wichtige Altersvorsorge, gerade für Frauen. Wir müssen Wege finden, den Zugang dazu wieder für mehr Menschen möglich zu machen.“
Wir sind gespannt, wie sich die Initiativen aus Politik, Forschung und Wirtschaft entwickeln. Gemeinsam wollen wir mutige Wege weitergehen – für mehr Wohnraum und nachhaltige Lösungen.

Hier ein Bericht von SAT1-Bayern (ab Minute 00:03:55)


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