99 Wohnungen für Azubis, Studierende und Menschen aus Engpassberufen
Grünes Licht fürs MOORITZ
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99 Wohnungen für Azubis, Studierende und Menschen aus Engpassberufen
Gute Nachrichten für Wohnungssuchende in Gauting. Nach dem Satzungsbeschluss des Gautinger Bauausschusses am 10. Februar 2026 kann die BHB mit der Umsetzung des außergewöhnlichen Wohnprojekts MOORITZ beginnen. Für Azubis, Studierende und Menschen aus Mangelberufen entstehen direkt am S-Bahnhof 99 bedarfsgerechte Wohnungen in serieller Holzhybrid-Bauweise – ein Pilotprojekt im bayernweiten Programm „Gebäudetyp-e“.
Das Projekt ist eines von nur 19 ausgewählten „Gebäudetyp-e“-Vorhaben in Bayern, in denen mit weniger Vorschriften und mehr Gestaltungsfreiheit neue Lösungen für leistbaren und schnell realisierbaren Wohnraum erprobt werden.
Gautings Erste Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger betont die Bedeutung des Wohnprojektes für die Gemeinde: „Für die Gemeinde Gauting ist die Realisierung von dringend benötigtem bezahlbaren Wohnraum ein wichtiger Schritt, um auch junge Menschen und Personen mit normalem Einkommen am Ort halten zu können. Dies ist vor allem für die Wahrung eines guten sozialen Zusammenhalts von großer Bedeutung.“
Wohnen für Azubis, Studierende und Fachkräfte
Im MOORITZ entstehen 99 kompakte, erschwingliche Wohneinheiten, insbesondere für Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger:innen und Menschen aus sogenannten Engpassberufen wie Pflege, Kinderbetreuung oder dem medizinischen Bereich. Das Konzept setzt auf viel Austausch der bewusst gut durchmischten Hausgemeinschaft. Großzügige Gemeinschaftsflächen im Innen- und Außenbereich – darunter Community-Waschküche mit Dachterrasse, Radl-Werkstatt mit Küche im Erdgeschoss, Urban Gardening und Angebote für Bewegung im Freien fördern das Zusammensein.
Auch die Asklepios Lungenklinik Gauting freut sich auf die Umsetzung, da trotz bereits vorhandener Mitarbeiterwohnungen weiterhin ein hoher Bedarf an zusätzlichem Wohnraum für Fachkräfte besteht. „Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wird uns als Gesundheitsdienstleister, aber auch uns als Gesellschaft noch die nächsten Jahre vor enorme Herausforderungen stellen. Und um genau diesen Herausforderungen zielführend begegnen zu können, brauchen wir als Gesundheitsdienstleister, aber auch als Gesellschaft unbedingt Nachwuchs in Gesundheitsberufen. Ein wichtiges Puzzleteil, um diesen Beruf attraktiv zu gestalten, sind neu gedachte und bezahlbare Wohnraumlösungen wie das MOORITZ”, so Lukas Förster, Geschäftsführer der Asklepios Lungenklinik Gauting.
Klimaschutz mit Moor-Baustoffen
Herzstück des Projekts ist der Einsatz von Paludi-Baustoffen aus wiedervernässten Mooren. In Dämmung und Innenausbau sollen unter anderem Rohrkolben (Typha), Schilf und Feuchtwiesengräser genutzt werden, die auf nassen Moorflächen wachsen, CO₂ speichern und Landwirten neue Einkommensperspektiven durch Wiedervernässung eröffnen. Weltweit verursachen trockengelegte Moorböden einen erheblichen Anteil der Treibhausgasemissionen. Ergänzend setzt BHB auf serielle Holzhybrid-Bauweise und die Wiederverwendung von Materialien des Bestandsgebäudes, etwa für Landschaftstreppe und Hochbeete, um Transportwege und Emissionen zu reduzieren.
Das MOORITZ wird als Reallabor von Expert:innen der Technischen Universität München und dem Lehrstuhl „Architecture and Design“ von Prof. Niklas Fanelsa wissenschaftlich begleitet. Untersucht werden insbesondere Materialkreisläufe, CO₂-Speicherung und die praktische Umsetzung des Gebäudetyp-e im realen Maßstab, um bioregionale Baustoffe in Planung, Handwerk und Baupraxis zu etablieren. „Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Materialkreisläufen, CO₂-Speicherung und Gebäudetyp E direkt im realen Baumaßstab zu erforschen. Pilot- und Demonstrationsbauten, wie das MOORITZ sind entscheidend, um bioregionale Materialien in die Breite zu bringen. Sie schaffen Vertrauen in neue Verfahren, senken Markteintrittsrisiken und ermöglichen Übertragbarkeit in Planung, Handwerk und Baupraxis“, so Prof. Fanelsa.
Mobilität ohne Tiefgarage
Auch beim Thema Mobilität geht das MOORITZ klimafreundliche Wege: Statt einer Tiefgarage sieht das Konzept einen stark reduzierten Stellplatzschlüssel vor, kombiniert mit 130 Fahrradstellplätzen und nur zwölf rückbaubaren PKW-Stellplätzen. Die Lage direkt am Bahnhof und an einer zentralen europäischen Radstrecke (Via Julia) macht das Haus zu einem Knotenpunkt für aktive Mobilität.
Im Erdgeschoss entsteht ein „Mobility Hub“ mit Fahrradwerkstatt, Lounge und Küche, der sowohl Bewohner:innen als auch Radreisenden als Anlaufpunkt mit Reparatur- und Lademöglichkeiten dienen soll. Architektonisches Highlight ist die Fahrrad-Upcycling-Fassade: Ausrangierte Fahrradrahmen werden als Rankgitter und Gestaltungselemente genutzt und machen das Thema nachhaltige Mobilität weithin sichtbar.
Nächste Schritte des Projekts
Der Rückbau des bestehenden Gebäudes läuft bereits seit Januar 2026 und soll im zweiten Quartal abgeschlossen sein. Der Baubeginn ist für Sommer 2026 geplant, die ersten Bewohner:innen sollen – dank serieller Holzhybrid-Bauweise – bereits im Sommer 2027 einziehen können.




